Als Wandersüchtig(d)e zu Gast bei den Salomon4Trails 2019

geschrieben von Thomas B.

Wir als langjährige, erfahrene und leidenschaftliche Genusswanderer, welche mehrmals im Jahr im Schnee, am Grat, aber auch auf Mittelgebirgstouren unterwegs sind, nahmen diese Art von Projekt erstmalig und erwartungsvoll an. Mit etwas Unsicherheit und Respekt zu Wetter, Strecke und Kondition, aber starken Willens, gingen wir es an. Waren doch von uns selbstorganisierte Mehrtagestouren mit allen Herausforderungen in der Vergangenheit kein Problem, hatte dieses sportlich und marketinggeprägte Event einen ganz anderen Charme.

So fuhren wir an einem schönen sonnigen Dienstag in die Olympiaregion Seefeld in Tirol, der Heimat von Anton Seelos, dem Erfinder des Parallelschwungs. Einen sehr gut ausgewählten Startpunkt in der Hochebene zwischen Wettersteingebirge und Karwendel. Das Ziel in 4 Tagen von Seefeld nach Imst und dann anschließend in den kommenden 3 Jahren weiter bis zum Gardasee war klar.

Los ging´s, einchecken bei PlanB, unsere Startnummern und das Promotionkit schnappen und weiter zur Eröffnung mit Pasta Party und dem Briefing für die erste Etappe. Das Ganze auf der Rosshütte in 1766m mit Seefelder Joch und der Seefelder Spitze im Hintergrund, sowie einem traumhaften Blick ins Tal. Unsere Begeisterung und unsere Vorfreude auf den morgigen Tag ist fast auf dem Höhepunkt.

 

Mittwoch, Tag 1 der Salomon4Trailsvon Seefeld nach Leutasch, auf ca. 25,4 km hieß es 1.557hm im Aufstieg und 1.590hm im Abstieg zu überwinden und das bei besten Bedingungen.

  

Der Start mit ca. 500 Läufern und Hikern aus insgesamt 24 Ländern unter der Warm up Musik von AC/DC war am Olymbiabad Seefeld auf ca. 1188hm einzigartig. Dem kurzen Einlaufen durch die Innenstadt, folgte gleich der herausfordernde Anstieg über die Wiesen des Skihang, vorbei am Kaltwassersee hinauf zur Rosshütte und weiter bis zum höchsten Punkt der heutigen Etappe, dem Seefelder Joch auf 2060m.

  

Für den entspannten Aufstieg zum Seefelder Joch, nehmen die Gelegenheitswanderer höchstwahrscheinlich die Seilbahn. Für uns war dies keine Option:-) . Der anschließende Abstieg durch traumhafte Pinienwälder, mit teilweise freien Blick ließen die Wanderherzen höher schlagen und den Weg bis nach Gießenbach auf 1006m, wie im Fluge vergehen.

Ein letzter Anstieg für heute über den Hohen Sattel, weiter über den Hohen Stich mit Zieleinlauf in Leutasch, rundeten einen unbeschwerten und tollen 1.Tag ab. Am Abend trafen wir uns mit den Naturbegeisterten und Laufwütigen zu einer weiteren Pasta Party, dem nötigen Briefing und einer alles verändernden Siegerehrung. Mit der Prämierung der schnellsten Hiker, änderte sich die Einstellung einiger Wanderer schlagartig. Der sportliche Charakter nahm ab diesem Moment enorm zu, ihre Schuhe wechselten von Hike zu Run und der Wanderrucksack wurde durch einen Trinkrucksack ersetzt. Wir blieben jedenfalls unserem Vorsatz die 4 Etappen laufend/wandernd durch zu gehen treu.

  

Donnerstag, Tag 2 der Salomon4Trails - von Leutasch nach Wildermieming, über 22,9km mit 1.279m im Aufstieg und 1.534m im Abstieg war für uns die landschaftlich schönste Etappe. Nach einem langen Einlaufen von ca. 10 km durch das traumhafte Gaistal ohne große Höhenmeter, forderte der folgende Aufstieg zur Niederen Munde unserem höchsten Punkt von Tag 2 mit 2.065m einige Kräfte ab. Der anschließende Rundumblick ins Gaistal, ins Inntal, sowie zum Hohen Munde ließen die Strapazen für einen Moment vergessen. Mit dem Wetterumschwung nahm das Tempo etwas zu und unsere Wahrnehmung zur Umgebung ab.

  

Ein teilweise herausfordernder Downhill, verstärkt durch den einsetzenden Regen und den damit verbundenen schlechteren Wegbedingungen, setzte unseren Focus ganz auf den Abstieg.

Vorbei an der schönen Alplhütte und dem 2. Verpflegungspunkt, ging es nur noch abwärts nach Wildermieming. Der Ort liegt im östlichen Mieminger Plateau und ist bekannt aus der Serie des Bergdoktors, wo auch das bekannte Bergdoktorhaus steht. Die abendliche Pasta Party inkl. Siegerehrung fand im morgigen Etappenzielort Nassereith statt. Unser Zwischenfazit bis hier lautet, großes Kompliment an PlanB und Salomon für diese professionelle Organistation und Streckenwahl. Alles war super organisiert. Super nette Streckenposten und Motivatoren, gute und abwechslungsreiche Verpflegungsstationen und eine einzigartige Stimmung unter den Teilnehmern. So konnte es weiter…..

Freitag, Tag 3 der Salomon4Trails - von Wildermieming nach Nassereith. Aufgrund der ungünstigen Wettervorhersagen wurde diese Etappe etwas abgeändert und verlief über ca. 22 km mit 1.200m im Aufstieg und 1.500h im Abstieg. Wir fühlten uns beschwerdefrei und zufrieden über unsere persönliche Performance. Mit der Entscheidung die Strecke einzukürzen und damit die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten, war für unser wieder ein Zeichen der professionellen Arbeit von PlanB als ausführender Veranstalter.

Auch heute waren wir, wie die Tage zuvor, nach dem Start das Schlusslicht der ganzen Karawanne. Mit dem Vorsatz nicht zu rennen, ist die Einsame und von den Schlußläufern fast getriebene Startphase schon ein komisches Gefühl. …bis zu Kilometer 5, dann begann der erste Anstieg und da spielten wir unsere Möglichkeiten mit Kondition und Technik gut aus. Über die Tage konnten wir so einige Trailrunner aus dem letzten Drittel des Starterfeldes näher kennenlernen. Das Phänom ist, das wir Hiker am Berg mit Bewunderung und Staunen der zu überholenden Trailrunnern, überdurchschnittlich gut den Aufstieg meistern. Im Abstieg mussten wir aufgrund des Wanderns, den Vorsprung früher oder später wieder hergeben.

Unser größtes Erlebnis auf dieser Etappe, war der Aufstieg zum 2036m hohen Stöttltörl. Bei 8 Grad, einem kühlen pfiffigen Wind und abwechselnd starken Regens, marschierten wir im Mount Everest Feeling – im Gänsemarsch zum höchsten Punkt des Tages. Angetrieben von den Motivatoren, welche immer wieder am Wegesrand uns Ansporn und Mut zu riefen. Anschließend ging es nur noch Talwärts, über teilweise sehr schöne Mittelgebirgswege bis ins Ziel nach Nassereith. Durchnässt, aber absolut happy und nach einer warmen Dusche sehnend, meisterten wir auch diese Etappe.

Samstag, Tag 4 und somit die letzte Etappe des diesjährigen Salomon4Trails - von Nassereith nach Imst im Oberinntal, am Rande der Lechtaler Alpen. Mit trockenen Sachen und fast trockenen Schuhen, hieß es noch einmal 23,7 km mit 1.333m im Aufstieg und 1.377m im Abstieg zu meistern. So starteten wir bei anfänglich wechselndem Wetter, über teilweise extrem aufgeweichtem Boden, schon fast routiniert in Richtung Imst, dem Startpunkt der kommenden Salomon4Trails 2020. Nach einem kräftigem Stau am Einstieg und einem weiterem Gänsemarsch im schmalen Aufstieg in Richtung Starkenberger Höhenweges, querten wir nach kurzer Zeit den Antelsberg, dem höchsten Punkt des Panoramaweges auf 1.417m.

Ab dem kommenden Jahr bekommt dieser Höhenweg ein eigenes und wie wir finden, spannendes Laufevent. Dabei starten zwei Läufer als Team, von unterschiedlichen Ausgangspunkten in Richtung Imst. Mehr Informationen findet Ihr dazu unter www.starkenberger-homerun.com. Für uns ging es weiter in Richtung Bremastall, der 1. Verpflegungsstation am heutigen Tag. Nach kurzer und schneller Rast führte uns der Weg vorbei an der Gaflleinhütte zum Sinnesgatter. Mit 1.674m unser höchster Punkt für heute, belohnt mit einem prächtigen Ausblick in die Lechtaler Alpen.

Im eher leichten Abstieg vorbei an der Wallfahrtskirche Sinnesbrunn, die Salvesenklamm querend, ging es unspektakulär in großen Schritten nach Imst. Den letzten Kilometer durch die schöne Innenstadt von Imst, wurden wir durch die Zuschauer und Passanten förmlich getragen. Schon von weiten konnte man die Musik und die Ansage im Zieleinlauf hören! Wir haben es geschafft. Es war ein unglaubliches, zufriedenes und freudiges Gefühl. Kurzzeitig überkam uns das Gefühl nach mehr, wir wollten weiter laufen. Hatten wir doch die 4 Tage fast ohne Schmerzen und Blessuren hervorragend überstanden. Am Ende war es gut so. Mit der fulminanten Finisher-Party am Abend, mit der gelösten Stimmung hunderter zufriedener Teilnehmer, wurde diese für uns einzigartige Veranstaltung super abgerundet. In dieser Euphorie, stieg die Begeisterung auf 2020.

 Unser Gesamtfazit:

  • tolle, landschaftlich reizvolle und machbare Etappen
  • sehr gut gekennzeichnete Streckenführung
  • für uns machbare „Cut off“ Zeiten, allerdings haben es einige Hiker nicht immer geschafft
  • hervorragend organisiert, mit super freundlichem Personal
  • hervorragende Verpflegungsstationen, abwechslungsreiche Pasta Party´s
  • großer sportlicher Charakter, als Genusswanderer eine spannende Erfahrung
  • vom Wetter wechselhaft, alles war dabei
  • sehr gute Grundfitness notwendig, man sollte in der Lage sein, 5-6 Stunden zügig, und in teils schwierigen Gelände zu wandern und das über 4 Tage

 Quelle: Bilder teilweise von Salomon4trails.