Kanada - Banff Nationalpark & Badlands

Allgemeine Informationen

Kanada stand schon sehr lange als Sehnsuchtsziel auf meiner To Do Liste, nach zwei Kurzbesuchen, einmal für eine Stunde an den Niagara Fällen, einmal für zwei Tage in die Stadt Vancouver war es nun Ende Mai 2018 endlich so weit. Zusammen mit den Kumpels Philipp und Daniel ging es vom Flughafen Frankfurt nach Calgary, von dort aus brechen wir dann auf zu einem Roadtrip durch die kanadischen Rocky Mountains. Erste Station nach dem zehnstündigen Flug, der Einreiseprozedur, Abholung des Mietwagens und einmal verfahren, da der nette Mitarbeiter des Autoverleihers uns bei der Demonstration des Navis die falsche Adresse eingegeben hat, ist das Pika Bed & Breakfast in Cochrane, ca 40 Minuten westlich von Calgary gelegen.

Das Pika B&B  gehört Heike und Eric Urban, einem deutschen Ehepaar Anfang 40, die sich vor mehr als 10 Jahren den Traum von Kanada erfüllt haben und ausgewandert sind. Während Eric bei der kanadischen Polizei arbeitet, ist Heike als Flugbegleiterin unterwegs. Beide bieten jedoch unter dem Label Pika Adventures auch (Wander-)Touren in der kanadischen Wildnis an. Und genau deshalb hatten wir die beiden schon lange vor unserem Urlaub kontaktiert. Als wir spät abends ankommen, werden wir herzlich von Eric und den beiden Hauskatzen begrüßt, gönnen uns noch ein gemeinsames einheimisches Bier und beziehen unsere Zimmer für die erste Nacht. Insgesamt werden wir für vier Nächte hier bleiben, ehe wir mit den beiden auf Tour im Banff Nationalpark gehen.

1. Tag

Nach einer viel zu kurzen Nacht geht es aus dem super gemütlichen Schlafzimmer in die Küche im Erdgeschoss. Zu meiner Überraschung sitzen Daniel und Philipp bereits am Frühstückstisch, während Eric in der Küche Eier und Speck für uns brät. Dieser Service gehört nicht zum eigentlichen B&B Angebot, aber da Eric frei hat, gerne kocht und wir offensichtlich laut genug waren um ihn aufzuwecken, lässt er sich zu unserem Glück nicht lumpen… Beim Frühstück gibt es dann eine Lagebesprechung und die Tagesplanung. Wir wollen in den Nationalpark und uns erst mal einen Überblick verschaffen. Eric empfiehlt uns Stopps in Canmore und Banff und zeichnet uns mit großer Begeisterung Detailkarten für die Ortschaften und Sehenswürdigkeiten. Bevor wir uns auf den Weg machen, schauen wir uns aber noch den Hauptort von Cochrane an und stocken im örtlichen Walmart die Vorräte auf. Dann geht es über den Bow Valley Trail entlang des Bow Rivers in Richtung Banff. Die Fahrt selbst zeigt bereits alles, was man sich von Kanada erwartet: weit vor uns liegen unübersehbar die Rocky Mountains, während wir uns durch das grüne Bow River Tal nähern.

 

Einen kurzen Abstecher machen wir nach Seebe, von wo wir am nächsten Tag  zu einer Rafting Tour aufbrechen wollen. Wir treffen am Treffpunkt sogar schon unseren Tourguide, unterhalten uns kurz und bekommen von ihm eine Panoramastrecke durch die Kananaskis empfohlen, von der auch Eric schon gesprochen hat. Klingt, als hätten wir hier einen kleinen Geheimtipp… Aber erstmal geht es weiter Richtung Nationalpark. Als wir Canmore erreichen, regnet es dort ordentlich und so beschließen wir, erst mal durch den Ort zu fahren. Das ist schnell erledigt, er wirkt wie ein typischer nordamerikanischer Touristenort in den Bergen, Souvenirläden reihen sich an Restaurants und diese wiederum an Sport- und Outdoorläden. Und so verzichten wir auf einen Stopp und fahren weiter nach Banff, decken uns an der Einfahrt zum Nationalpark mit dem Jahresticket für alle kanadischen Nationalparks ein und fahren dann in die Stadt. Hier herrscht ein ziemliches Verkehrschaos, da wir noch in der Vorsaison sind, die Hauptsaison aber naht, wird alles inklusive der Straßen auf Vordermann gebracht. Wodurch der Verkehr ordentlich stockt. Die Stadt selbst unterscheidet sich derweil nicht wesentlich von Canmore, ebenfalls Restaurants und Läden jeglicher Art. Und gerade als wir beschließen ein wenig zu bummeln, setzt auch hier der Regen ein. Erneute Planänderung, wir denken uns das der nun nicht mehr weit entfernte Lake Louise einen Abstecher wert wäre, um dann auf der Rückfahrt und hoffentlich besserem Wetter wieder in Banff anzuhalten. Doch noch bevor wir den Highway wieder erreichen, bricht etwas nördlich von Banff die Sonne durch die Wolken und der Regen lässt nach. Und schon wieder passen wir uns der neuen Situation umgehend an und schwenken um auf den Lake Minnewanka Scenic Drive. Und diese Fahrt lohnt sich. Nach wenigen Minuten erreichen wir einen Parkplatz mit Aussichtspunkt in einen Talkessel, in dem früher die Stadt Bankhead lag.

 

Bankhead war zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts eine Minenarbeiterstadt, die örtliche Mine wurde 1903 in Betrieb genommen und diente dem Abbau von Steinkohle zum Betrieb der Bahn. 1922 wurde der Betrieb der Mine wieder eingestellt und da alle Gebäude in der Stadt der Minenfirma gehörten, wurden viele von ihnen in die nahegelegenen Orte Banff und Canmore transportiert. Es gibt einen Trail durch das Tal, an dem auf Schautafeln auch die Geschichte des Ortes erzählt wird, aber für uns steht heute erstmal ein gemütlicher Tag zum Ankommen auf dem Programm. Wir laufen noch kurz zur nahe des Parkplatz gelegenen Ruine der alten Kirche und fahren dann weiter zum Lake Minnewanka. Der Lake Minnewanka ist ein Gletscherstausee, 21 Kilometer lang,  bis zu 142 Meter tief und malerisch gelegen.

 

Auf die angebotenen Bootstouren verzichten wir jedoch und fahren wieder zurück nach Banff, dass wir nun bei bestem Wetter vorfinden. Unser erster Stopp sind die Cave and Basin National Historic Site, der Ursprung der kanadischen Nationalparks. In den 1870er Jahren wurden die hier gelegenen Hotsprings entdeckt, aber erst 1883 wurde die heiße Quelle von zwei Bahnarbeitern erschlossen und zugänglich gemacht. Im Rahmen der anschließenden Streitigkeiten mischte sich die kanadische Regierung ein und stellte das Areal im Umkreis von 10 Quadratmeilen als die Banff Hot Springs Reserve unter ihren Schutz. Ein kurzer, aber interessanter Rundgang durch das ehemalige Thermalfreibad, dass großteils durch Zwangsarbeiter aus als während des Errichtungszeitraums im ersten Weltkrieg als feindlich betrachteten Staaten errichtet wurde.

Der Eintritt ist kostenpflichtig, mit dem Nationalparkausweis ist der Eintritt jedoch frei. Nun stehen noch zwei Punkte auf der Liste für heute: die Bow Falls und das weltbekannte Banff Springs Hotel. Beide liegen dicht beieinander und sind super zu kombinieren. Da der Bow River ordentlich Wasser führt, ist der Wasserfall toll anzuschauen, die Wassermassen machen auch einen ordentlichen Lärm, während sie sich hinab stürzen. Und das Hotel? Ist mit Worten kaum zu beschreiben, auch wenn wir es nur von außen gesehen haben. Eine Übernachtung in diesem Palast hätte doch das Budget gesprengt…

Nun machen wir noch einen kleinen Abstecher in den Ort, laufen ein wenig durch die Straßen, schauen uns ein paar der Souvenirläden an und gönnen uns eine Pizza zum Abendessen. Für die anschließende Heimfahrt wählen wir zunächst den Tunnel Mountain Drive, um am Hoodoo View Point einen weiteren Stopp einzulegen und einen kurzen Verdauungsspaziergang zum Fotoschießen einzulegen.

 

Und dann geht es endgültig zurück ins ca. 90 Minuten entfernte Cochrane, wo wir uns ein Feierabendbier mit Eric gönnen, der uns übrigens all diese Punkte auf seinen handgezeichneten Karten markiert hatte. Super Service.

2. Tag

Hier fasse ich mich kurz. Für heute stand ein Ausflug nach Drumheller und den angrenzenden Badlands an, beides etwa zwei Stunden von Cochrane entfernt. Natürlich starten wir wieder mit einem von Eric zubereiteten nordamerikanischen Frühstück und brechen dann gut gemästet und mit einigen neuen, selbst gezeichneten Karten auf. Die Fahrt nach Drumheller ist recht eintönig, aber typisch für Nordamerika: soweit das Auge reicht geht es geradeaus durch Felder und Wiesen. Vor Ort in den Badlands dann ein starker Kontrast zu der Bergwelt der Rocky Mountains, interessant zu sehen, durch die fahlen, blassen Farben der Felsformationen jedoch irgendwie bedrückend. Der Name ist tatsächlich Programm. Toll erschlossen für eine ausgedehnte Rundfahrt mit dem Auto sind die Badlands über den North Dinosaur Trail, die Dinos sind auch in Drumheller selbst los. Unschwer zu erkennen, dass hier eins der Hauptausgrabungsgebiete für Dinosaurier in Nordamerika liegt. Anschließend fahren wir noch zu den ca. 20 Minuten südöstlich von Drumheller gelegenen Hoodoos, verzichten aber darauf, diese zu Fuß zu erkunden, da gerade zwei Busse voller Middle School Kids angekommen sind, die völlig aufgedreht durch die lustigen Felsformationen flitzen und ordentlich Lärm machen.

  

Auf der Rückfahrt nach Cochrane halten wir schließlich noch in Calgary bei den Cross Iron Mills, einer riesigen Outlet Shopping Mall. Besonders beeindruckend hier ist der Bass Pro Shop, ein riesiger Laden für alle möglichen Outdooraktivitäten wie Jagen, Angeln, Bootsport oder auch einfach nur Wandern und Grillen. Hier wird sich noch fleißig mit Kleidung und Ausrüstung eingedeckt, die Temperaturen bis hierher waren doch deutlich kühler als angenommen, für unsere Tour in die Berge vermuten wir sogar Frost, da können Mützen und eine zusätzliche wärmende Schicht nicht schaden. Anschließend geht es wieder zurück in unsere Basisstation, das Pika B&B, wo wir den nächsten Tag planen. Unsere erste Wandertour in Kanada soll auf dem Programm stehen.

3.Tag


Nach dem Aufstehen erst mal das gewohnte Bild: Eric steht in der Küche, es duftet nach gebratenem Speck, der Tag startet also verheißungsvoll. Beim Frühstück lernen wir dann auch die Dame des Hauses kennen, Heike ist am Vorabend zurückgekommen und begrüßt uns nun ebenfalls. Wir vereinbaren ein gemeinsames Barbeque am Abend, nachdem wir von unserer Tour in den Nationalpark zurück sind. Dort wollen wir heute in den Johnston Canyon und den Johnston Canyon Trail wandern, inklusive der Verlängerung zu den weiter oberhalb gelegenen Ink Pots. Und auf dem Rückweg soll es dann über die Schotterpiste durch die Kananaskis gehen, über die wir schon so viel gehört haben. Der Johnston Canyon Trail startet am Johnston Canyon Office, wo es auch einen großen Parkplatz gibt. Von Cochrane aus sind wir gute eineinhalb Stunden unterwegs, verpassen zuerst die Einfahrt, da diese in einer Baustelle liegt und auf den ersten Blick schwer zu erkennen ist. Also müssen wir ein Stück weiter am Johnston Creek Parkplatz drehen, ehe wir starten können.

 

Der Parkplatz am Johnston Canyon Office ist schon gut gefüllt, Heike und Eric sagten uns auch bereits, dass dies einer der Hotspots im Park sei. Eine schöne Gegend, der Weg bis zu den Lower Falls asphaltiert und somit auch für Rollstühle zugänglich, bis dorthin auch leicht zu gehen… also all das, was Besucher jeder Art anlockt.

Gleich hinter dem Office stehen zu diesem Zeitpunkt zwei junge Rangerinnen, die den interessierten Gästen  die Geweihtypen der hier vorkommenden Pflanzenfresser zeigen und erklären.

Wir hören kurz zu, brechen dann aber zu unserer Wanderung auf. Der Weg zu den Lower Falls ist natürlich leicht ansteigend, aber insgesamt keine Herausforderung. Natürlich toll für Menschen mit Handycap und nicht ganz so Wandersüchtige. Der Trail ist in diesem Bereich auch stark frequentiert, dabei ist die Hauptsaison noch in weiter Ferne. Während dieser sollte man vermutlich sehr früh aufbrechen, wenn man hier ein schönes Wandererlebnis haben möchte. Wie erwähnt ist der Weg hier asphaltiert oder zumindest gut befestigt, ausgesetzte Stellen sind durch Geländer gesichert. Das Rauschen des Johnston Creek, kleinere Wasserfälle, die ein oder andere Stelle, an der man den Kopf einziehen muss und der starke Wanderverkehr sorgen jedoch dafür, dass es trotzdem nicht langweilig wird.

 

 


 

Bald sind dann auch schon die Lower Falls erreicht. Diese sind sowohl vom Trail aus schön zu sehen als auch von einer stark bevölkerten Brücke, neben der es sogar einen kleinen Felsdurchbruch gibt, durch den man noch näher an die Falls kommt und Wucht und Gicht der Falls zu spüren bekommt. Wir schießen hier schnell ein paar Fotos und wandern dann weiter, hier ist uns eindeutig zu viel los und es fehlt eigentlich nur, dass sich zwei Touristen auf der Brücke mit ihren Selfiesticks duellieren…

 

 

Bis zu den Upper Falls sind es noch ca. eineinhalb Kilometer, die nicht mehr ganz so stark frequentiert sind wie das erste Teilstück. Auch hier gibt es einige ausgesetzte Wegstücke, die durch Geländer gesichert sind und noch einige kleinere Wasserfälle in den Felsen des Johnston Canyons.

 

An den Upper Falls bietet sich dann zunächst das gleiche Bild wie zuvor an den Lower Falls: eine Brücke und unzählige Wanderer auf der Suche nach dem besten Standort für ein Foto. Das wir hier auf über 1500 Metern Höhe sind, die Sonneneinstrahlung eher gering ist und die Temperaturen daher auch Anfang Juni noch niedrig sind, gibt es gleich neben den Fällen auch noch ein paar kleinere Schneefelder in den Felsen.

 

Oberhalb der Falls gibt es noch einen Aussichtspunkt, der ebenfalls noch recht gut besucht ist, der den kurzen Anstieg aber auch wert ist.

 

Wir machen uns nun auf den weiteren Weg zu den Ink Pots, fünf kleine, durch unterirdische Quellen gespeiste Wasserbecken in den unterschiedlichsten grün und blau Tönen. Bis dorthin liegt von den Upper Falls allerdings noch ein ca. drei Kilometer langer Aufstieg mit einigen Höhenmetern vor uns. Dieser führt ausschließlich durch den Wald, ab und an bietet sich mal ein schöner Ausblick, aber meist stehen die Bäume dafür zu dicht. Dafür rechnet man eigentlich hinter jeder Kurve mit einer Wildbegegnung. Aber auch die bleibt hier aus.

 

Je näher wir dann den Ink Pots kommen, umso mehr Wanderer sind wieder auf dem Trail unterwegs. Diese waren wohl schon früh am Morgen aufgebrochen und befinden sich nun auf dem Rückweg, geben den geplagten Bergaufgehern ein paar aufmunternde Worte mit und erzählen, dass sich die Mühen lohnen. Als wir dann ankommen, müssen wir ihnen definitiv Recht geben. Unweit des rauschenden Johnston Creek gelegen und von Wäldern und Berggipfeln umgeben, liegen die Ink Pots friedlich in der Landschaft und wirken mit ihren unterschiedlichen Farben erhaben und beruhigend. Stege ermöglichen ein Umhergehen zwischen den einzelnen Pots und, ungewöhnlich für Nordamerika,  einige Bänke laden zum Genießen der Aussicht ein.

 

Dann geht es auf den Rückweg und zunächst folgt wieder der Aufstieg zum höchsten Punkt der Tour, der jedoch bald erreicht ist. Dann folgt der Abstieg und wir entschließen uns, eine andere Route als auf dem Hinweg zu nehmen. In Nordamerika sind Rundwege weniger verbreitet als bei uns, allerdings ist für den ein oder anderen die Bezeichnung etwas irreführend, heißt es „round trip“ ist das in der Regel eine Wanderung, auf der man auf Hin- und Rückweg die gleiche Strecke geht. Ein Rundweg dagegen ist ein „loop“. Einen solchen wollen wir nun aus unserer Tour machen und biegen im Wald ab auf den Trail, der uns zum Johnston Creek Parkplatz führen soll, den wir am Morgen irrtümlich zuerst angefahren hatten. Hier sind wir nun tatsächlich komplett alleine unterwegs, generell scheint dieser Weg kaum genutzt zu werden, denn der Bewuchs wird immer stärker, teilweise ist der Pfad nur noch zu erahnen. Dazu ist der Wald hier ausgesprochen dicht, so dass wir uns fast wie im Urwald fühlen. Am Ende des Trails wartet dann der leere Parkplatz und wir müssen noch ein Stück entlang des Highways 1A bis zum Johnston Canyon Office laufen. Insgesamt eine sehr tolle, teilweise auch anspruchsvolle Wanderung, nachdem wir auf dem Rückweg einen anderen Weg gewählt haben muss man aber sagen, dass es sinnvoller ist den gleichen Weg wie auf dem Hinweg zu wählen. Nun stärken wir uns kurz im Café am Parkplatz, ehe es weiter nach Canmore geht. Von hier wollen wir dann über den Smith Dorrien Trail, die Schotterstraße von der uns schon so viel erzählt wurde, zurück nach Cochrane fahren. Ein letztes Mal nutzen wir in Canmore die handgezeichneten Karten von Eric, aber auch sonst wäre der Ausgangspunkt dieser Straße nicht schwierig zu finden gewesen. Sie startet am Canmore Nordic Center, das für die Olympischen Winterspiele 1988 errichtet wurde. Hier fanden die Langlauf- und Biathlon-Wettbewerbe statt. Zunächst lautet hier die Bezeichnung der Straße noch Three Sisters Parkway und hat doch einige Schlaglöcher zu bieten, doch mit zunehmender Dauer wird die Straße immer besser, vom Zustand in den Bergen kann manche deutsche Landstraße sogar nur träumen. Ein Traum ist allerdings auch die Route. Eine tolle Streckenführung durch die Berge mit grandiosen Aussichten und, auch bedingt durch das sehr geringe Verkehrsaufkommen, viele Wildtiere, die wir zu Gesicht bekommen. Weißwedelhirsche, Wapitis, einen Kojoten und eine Herde weiblicher Bergschafe (Big Horn Sheep) bekommen wir hier zu sehen.

 

Ein absolut genialer Tag in den Bergen mit unglaublichen Eindrücken geht damit zu Ende, allerdings warten „zu Hause“ noch Heike und Eric mit einem Barbeque auf uns und zu unserem Glück haben die beiden auf uns gewartet, auch wenn es mittlerweile dunkel geworden ist. Bei Burgern und Bier am Feuer auf der Terrasse des Pika B&B berichten wir unseren Gastgebern vom Erlebten und besprechen schon mal, was am nächsten Tag folgen soll. Denn dann steht der Aufbruch in die Wildnis an…

4. Tag

Der Tag beginnt mit Packen, zum einen den Koffer, zum anderen den Rucksack mit allem, was wir für die nächsten beiden Tage und Nächte brauchen werden… anschließend ein letztes Pika Breakfast von Eric und dann geht es auch schon los. Ziel des Tages ist das Hilda Creek Wilderness Hostel, das zum Hostelling International Verbund gehört und nur online gebucht werden kann. Man bekommt dann einen Zugangscode für die Zahlenschlösser an den Türen, einen Mitarbeiter vor Ort gibt es nicht. Und auch die Ausstattung ist eher spartanisch. Es gibt eine Schlafhütte mit drei Etagenbetten, eine Gemeinschaftshütte mit Küche und draußen ein Plumpsklo. Gas für die Heizung und den Herd ist vorhanden, Solarzellen sorgen für etwas Strom, mit dem die Lichter betrieben werden können, ansonsten gibt es aber keine weiteren Annehmlichkeiten. Wasser muss entweder mitgebracht oder aus dem in ca. 100 Metern Entfernung vorbei fließenden Hilda Creek geholt werden… Aber bis hierhin haben wir noch eine lange, interessante Fahrt vor uns. Eric fährt mit Auto und Anhänger schon mal vor zur Hütte, während wir mit Heike im Konvoi fahren und uns noch einige Sehenswürdigkeiten auf dem Weg anschauen. So stoppen wir zum Beispiel am Bow River, um den darüber liegenden Castle Mountain zu fotografieren.

Der nächste Stopp ist das Lake Louise Visitor Center, das eingerahmt wird von einem Sportladen, diversen Souvenirshops und einigen Cafés und Backshops.

 

Laggan’s Mountain Bakery ist dabei sehr zu empfehlen, gerade auch was Snacks für anstehende Wanderungen angeht. Nach einem kurzen Stopp geht’s weiter zum ziemlich überlaufenen Lake Louise für einen kurzen Fotostopp, es ist uns schlicht zu voll, um uns hier länger aufzuhalten. Wie das wohl erst in der Hauptsaison ist?

 

Aber verstehen kann man die Leute schon, uns hat es ja schließlich auch dorthin gezogen. Und die Färbung des Wassers, je nach Sonneneinstrahlung, gibt dem See noch einen zusätzlichen Reiz neben der beeindruckenden Bergwelt. Nicht weit entfernt liegt auch der Morraine Lake, dessen Zufahrt an diesem Tag wegen überfüllter Parkplätze gesperrt ist. Allerdings sind wir 10 Tage nach diesem Besuch auf unserer Fahrt von Golden nach Radium Hot Springs erneut hier vorbeigekommen und konnten den Morraine Lake besuchen, an diesem Tag war dafür die Zufahrt zum Lake Louise wegen zu hohem Verkehrsaufkommen gesperrt. Diese Fotos vom Morraine Lake sind also etwas später aufgenommen worden.

 

Zurück zu unserem 4. Tag, vom Lake Louise zurückkommend verlassen wir bald den Trans-Canada Highway 1 und folgen dem Icefields Parkway nach Norden in Richtung Jasper. Hier ist unser erster Stopp der Crowfoot Mountain Aussichtspunkt, am Bow Lake, an dem uns Heike den gegenüberliegenden Gletscher zeigen möchte. Wir haben aber erstmal nur Augen für den Schwarzbären, der auf der anderen Seite munter Löwenzahn frisst, vielleicht fünf Meter von der Straße entfernt. Auf dem Parkplatz steht auch ein Auto von Parks Canada und drei Ranger schauen sich den Bären aus der Ferne an. Sie bedeuten uns, dass wir gerne aussteigen können, aber direkt am Auto bleiben sollen. Zu unserer Sicherheit und um den Bären nicht zu stören. Ca. 15 Meter Abstand sollten allerdings auch ausreichen, denken wir und auch die anderen Besucher, die nun nach und nach anhalten. Allerdings, wie so oft, gibt es auch einen Unbelehrbaren, der in einen kleinen Seitenweg unmittelbar neben dem Bären einbiegt und vielleicht zwei, drei Meter von dem Tier entfernt stehen bleibt. Diesem merkt man sofort an, dass ihn das wenig begeistert und er wird sichtlich unruhig, einer der Ranger schleicht sich auf der anderen Seite im Bogen zum Auto und sagt dem Fahrer ein paar weniger freundliche Takte, dann brechen wir allerdings auch wieder auf.

 

Nächster Stopp: Simpson’s Num-Ti Jah Lodge am anderen Ende des Bow Lakes. Das Hotel lassen wir allerdings links liegen und folgen ein Stück weit einem Pfad entlang des Sees. Heike möchte uns eine Stelle zeigen, an der man Pikas sehen kann, die Namensgeber ihres Unternehmens. Pikas sind Pfeifhasen, sehr scheu und schwer zu erkennen, wenn sie sich in ihrem Lebensraum, vornehmlich in Geröllfeldern, aufhalten. Natürlich bekommen wir aber kein Pika zu Gesicht, dafür genießen wir mal wieder atemberaubende Aussichten über einen farbenprächtigen, von schneebedeckten Bergen umringten See in der kanadischen Wildnis.

 

Auch der nächste Streckenabschnitt ist ein kurzer und wieder ist es ein See, den wir uns von einem Aussichtspunkt ansehen. Vom Bow Summit, dem höchsten Punkt des Icefield Parkways, hat man einen unbeschreiblichen Ausblick auf einen der wahrscheinlich meist fotografierten in Kanada: den Peyto Lake. Dieser  ist benannt nach Bill Peyto, einem berühmten kanadischen Trapper. Heike erzählt außerdem, dass Peyto in der Sprache der Indianer Bär bedeutet und das entfernte Ende des Sees einem Bärenkopf ähnelt. Mit etwas Fantasie kommt das tatsächlich hin…

Nun liegt noch eine weitere Fahrtstunde vor uns, bis ans Ziel des Tages, wo Eric schon am Lagerfeuer errichtet hat. Heike und er haben beschlossen, die nächsten beiden Nächte in der Küchenhütte zu schlafen und die Schlafhütte uns zu überlassen. Vielleicht haben sie aber auch nur Angst vor unserem Schnarchen… Die Hütten selbst liegen zwar nur 300 Meter entfernt vom Icefields Parkway, allerdings ist davon nicht allzu viel zu hören. Bevor wir uns auch ans Lagerfeuer gesellen, schauen wir uns erstmal unsere Unterkunft an.

 

Und dann lassen wir den Abend gemütlich am Feuer mit Bratwurst, Bier und interessanten Gesprächen ausklingen.

 

Nach dem Essen wollen wir noch für einen kurzen Verdauungsspaziergang ein Stück den Berg hinter der Hütte hinauf, doch schon bald kommt ein erstes größeres Schneefeld, an dem wir wieder umkehren. Von unten kommt uns dabei in der Dämmerung etwas grau-weißes auf vier Beinen entgegen, dass wir zunächst gar nicht identifizieren können, als es direkt auf uns zu kommt, denken wir kurz an einen Vielfraß, sind dann aber erleichtert, dass es kurz vor uns abdreht und in einem kleinen Bogen um uns herum läuft. Hier erkennen wir dann auch, dass es sich um einen Polarfuchs handelte. Eine schöne, späte Begegnung, die die Kamera aufgrund der Lichtverhältnisse leider nicht besonders gut eingefangen hat.

 

Zurück am Lagerfeuer haben Heike und Eric noch einiges zu erzählen und irgendwie wecken die Gespräche mit (erfolgreichen) Auswanderern zumindest bei mir auch irgendwo das Fernweh. Da wir außerdem neugierig sind, ob man hier oben vielleicht sogar Polarlichter sehen kann, sitzen wir noch eine ganze Weile am wärmenden Feuer. Die Temperaturen sind allerdings nicht weit vom Gefrierpunkt entfernt und so ziehen wir uns doch irgendwann in die beheizten Hütten und unsere Schlafsäcke zurück, der Himmel war ohnehin zu bewölkt, als das sich die Polarlichter gezeigt hätten.

5. Tag

 

Am Morgen brummt der Schädel ein wenig, das Bier hat sicherlich einen kleinen Anteil, den Rest hat die Gasheizung erledigt. Ich mag die Dinger einfach nicht… aber ohne wäre es doch frisch geworden, es hat über Nacht gefroren. Und in dieser Gegend nachts aufs Plumpsklo gehen hat auch etwas, man erwartet fast, dabei einem Bären zu begegnen. Wobei die nun eher in tieferen Gefilden zu finden sind um sich die Bäuche voll zu schlagen, wie der Schwarzbär am Bow Lake zeigte. Nun steht erst mal Frühstücken auf dem Programm und Heike und Eric zaubern uns in der kleinen Küche wieder was leckeres auf die Teller. Inklusive Croissants und Nutella. Fast wie im Luxusurlaub. Nach dem Frühstück und Abwasch geht es dann zum nahegelegenen Wilcox Pass Trailhead. Dieser liegt schon im Jasper Nationalpark, da aber das Hilda Creek Hostel noch im Banff Nationalpark liegt, packe ich unsere Wanderung auch noch hier hinein. Erwartungsgemäß geht es gleich bergauf. Und zwar einigermaßen steil. Und so laufen trotz des kalten Wetters die ersten Schweißtropfen, zumal hier der Wind noch von den Bäumen abgehalten wird.

 

Allerdings dauert es nicht lange, bis wir die Baumgrenze erreichen. Hier laden zwei große, rote Holzstühle zum Rasten ein, mit Aussicht auf den gegenüberliegenden Athabasca Gletscher. Den wohl berühmtesten der sechs Gletscher entlang des Columbia Icefields auf dem Icefields Parkway. Auch das Columbia Icefield Discovery Center mit den riesigen Parkflächen ist zu sehen, von hier aus kann man sich mit Bussen direkt auf den Gletscher fahren lassen.

  

Die Bäume stehen nun nur noch vereinzelt, dafür pfeift uns nun ein eisiger Wind um die Ohren, während wir weiter aufsteigen. Beobachtet werden wir dabei von einem neugierigen Erdhörnchen und auch ein Bighorn Sheep schaut neugierig, wer bei diesem Wetter nichts Besseres zu tun hat als durch seine Futterwiesen zu stampfen.

   

 

Belohnt wird der Aufstieg neben den Tierbegegnungen natürlich auch mit schönen Ausblicken, auch wenn es heute etwas wolkig und verhangen ist. Von hier oben erkennt man, wie mächtig der Athabasca Gletscher wirklich ist, kaum zu glauben, dass er vor nicht zu langer Zeit noch um einiges weiter reichte und wie schnell dieser Teil abgeschmolzen ist.

 

Weiter geht es durch ein paar Schneefelder und Schmelzwasserbäche auf ein Geröllfeld, wo wir uns hinter ein paar Felsen einen windgeschützten Rastplatz suchen. Zu unserer Überraschung zaubern Heike und Eric hier einen Gaskocher aus dem Rucksack und kochen eine Cremesuppe für uns. Sogar an Brötchen (was man halt in Nordamerika so nennt) und Würstchen haben die beiden gedacht. Wenn die Luxusvariante des Campens Glamping genannt wird, ist unsere Tour mit den beiden dann wohl eine Gliking-Tour… Während unsere Guides das Essen zubereiten, schauen Daniel, Philipp und ich uns noch ein wenig um. Den weiteren Verlauf des Trails kann man kaum erkennen, zu groß sind hier die Schneefelder, der Wind wird auch eher stärker als sich zu legen, also suchen auch wir bald Schutz hinter dem Küchenfelsen.

  

Mit vollem Magen beschließen wir anschließend, dem Wilcox Pass Trail nicht mehr weiter zu folgen. Zu tief scheinen die Schneefelder zu sein, wie wir an einer größeren Wandergruppe sehen können, die während unserer Pause an uns vorbeigezogen sind. Sie kommen erkennbar kaum vorwärts, dazu treibt der Wind dunkle Wolken auf uns zu. Und so steigen wir über den gleichen Weg wieder hinab. Hierbei freuen wir uns, dass das Bighorn Sheep das wir auf dem Hinweg getroffen haben nun Gesellschaft bekommen hat.

Bald sind wir dann wieder am Trailhead angekommen und fahren zurück zu unserer Hütte. Hier steht dann auch der erste Abschied an, Eric muss zurück nach Cochrane, er hat am nächsten morgen früh einen Termin. Und so sind wir nur noch zu viert, als es anfängt Bindfäden zu regnen. Wir sitzen dabei in der Gemeinschaftshütte und unterhalten uns mit Heike, bis sie die Idee hat, ins Columbia Icefield Discovery Center zu fahren. Gute Idee, denn das Center ist nur 10 Minuten entfernt und an eine weitere Wanderung ist nicht mehr zu denken. Außerdem wollten wir hier am nächsten Tag auf der Weiterfahrt ohnehin stoppen und können nun schon mal schauen, ob wir nochmal hierher möchten und vielleicht auch eine der angebotenen Touren buchen, unter anderem gibt es ein kurzes Stück weiter nördlich den Glacier Skywalk, zu dem man ebenfalls von hier gefahren wird. Vor Ort stellen wir aber fest, was wir ohnehin vermutet hatten. Hier herrscht pure Massenabfertigung, dazu die obligatorischen Souvenirshops. Der Ausstellungsbereich mit Informationen zum Columbia Icefield ist leider geschlossen und so bleiben wir auch nicht lange hier. Zurück am Hilda Creek lassen wir dann den Tag mit einem leckeren Abendessen ausklingen, Heike zaubert Spaghetti Bolognese auf den Tisch und nach dem gemeinsamen Abwasch folgen dann interessante Gespräche bei dem ein oder anderen Bierchen über das Leben in Kanada und unseren weiteren Reiseverlauf, ehe die letzte Nacht in Banff zum Schlafen ruft.

6. Tag

Überraschung beim Aufstehen, über Nacht ist aus dem Regen Schnee geworden. Es liegt nicht mehr viel und er ist bereits am Schmelzen, aber dennoch für uns ein ungewohnter Anblick im Juni. Nach einem letzten ausgiebigen Frühstück mit Heike, das genauso gut war wie das von Eric, steht das Packen an. Unsere Rucksäcke sind schnell wieder gepackt, bei der Pika Ausrüstung dauert es etwas länger, außerdem muss diese noch im Anhänger verstaut und befestigt werden. Und dann steht nach interessanten, ereignisreichen Tagen mit unglaublich vielen Eindrücken der Abschied von Heike an, die zurück nach Cochrane fahren wird, während wir nach Norden wollen, die MIette Hot Springs im Jasper Nationalpark sind unser Ziel für heute. Unseren Lesern, die über einen Besuch in Banff nachdenken kann ich nur sagen: Tut es. Unbedingt. Und wenn ihr eine gemütliche Unterkunft mit herzlichen und kundigen Gastgebern sucht oder aber ein paar Tage in der Wildnis auf Tour gehen möchtet, ist Pika Adventures mit Heike und Eric absolut eine Empfehlung wert.

Weitere Informationen

  • Route Aufstieg: Siehe Artikel
  • Route Abstieg: Siehe Artikel
  • Dauer für Aufstieg: k.A.
  • Dauer für Abstieg: k.A.
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Klettersteig: nein
  • Schuhwerk: knöchelhohe Bergschuhe mit guter Profilsohle
  • Trittsicherheit: erforderlich
  • Schwindelfrei: erforderlich
  • Weiterempfehlen: ja - ich würde die Tour wieder machen
  • Hinweis:

    Die Benutzung des Tourenberichtes erfolgt auf eigenes Risiko. Es wird keine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art übernommen.

Bastian D.

Ich komme aus dem schönen Hunsrück und bin hauptsächlich auf den hier nur so aus dem Boden schießenden Wanderwegen unterwegs. Immer mit dabei ist mein Hund Kenny, der mich ohne Rücksicht auf das Wetter oder meine Tagesform nach draußen treibt.Außerdem bin ich zertifizierter Wanderführer und biete (nicht nur) für Gäste unserer Ferienwohnung Dickbaums geführte Wanderungen an. Ich hoffe meine Touren- und Testberichte sind hilfreich und würde mich freuen, Leser von wandersuechtig.de als unsere Gäste begrüßen zu dürfen.