Tirol - Lechtaler Alpen - Tschachaun und Anhalter Höhenweg

Tirol - Lechtaler Alpen - Tschachaun und Anhalter Höhenweg by Alexander Berthold

Allgemeine Infos zur Tour

Start unserer Schneeschuhtour war die idyllisch auf 1225 m Höhe gelegene 85 Seelen-Gemeinde Namlos im österreichischen Tirol. Das kleine Örtchen gehört zum Bezirk Reutte und liegt im nach ihm benannten „Namloser Tal“, einem Seitental des Lechtals.

Namlos war bis ins 13. Jh. eine Alpe der Gemeinde Imst. Naheliegende Vermutungen, dass sich der Ortsname möglicherweise von der Bezeichnung „namenloses Dorf“ ableiten könne, gelten als eher unwahrscheinlich. Vielmehr steht der historische Ursprung des Namens wohl mit den damaligen Besiedlern „Amel“ in Beziehung. Bekannt ist, dass zur damaligen Zeit in der Anwaltschaft Berwang ein Schwaighof Amel hieß. Eine geraume Zeit trug der Ort den Namen „Namles“, bevor er seine heutige Begrifflichkeit bekam. Seit 1949 bildet Namlos gemeinsam mit dem nahen Kelmen eine eigene Gemeinde. Namlos ist ebenso als Erdbebendorf Tirols bekannt. 1930 lag es im Epizentrum einer als „Namloser Beben“ bekannten Erschütterung. Damals kamen 31 von 47 Schornsteinen zu Fall. Aber nun zurück zu unserer Winterwanderung. Unsere Tour sollte uns von Namlos über den Tschachaun zur Anhalter Hütte und dann weiter über ein Teilstück des Anhalter Höhenwegs zurück nach Namlos führen. Quelle: http://www.tirol.at/orte/a-namlos , Stand: 11.01.2016

 

Tourenberschreibung

1. Tag: Namlos – Brentersbachtal – Faselfeiltal – Kromsattel – Tschachaun – Anhalter Hütte

Schon die Anfahrt über Berwang auf schmaler und steiler Straße (bis zu 15%) hatte einiges zu bieten und stimmte uns ideal auf das Kommende ein. Durch das enge Tal schlängelte sich die Straße einige Kilometer bei spektakulärer Kulisse bis Namlos. Nach ausgiebigem Frühstück in Berwang rollten wir die letzten Kilometer bis Namlos und parkten unser Auto etwas unterhalb der Kirche 'zum hl. Martin'. Wir überprüften nochmals unsere Ausrüstung, verteilten den Proviant und legten die Schneeschuhe an. Gut gerüstet starteten wir gegen 11 Uhr unsere Genusstour.

Bei idealen Wetterbedingungen genossen wir auf dem Weg 616 das idyllische Brentersbachtal. Flach verlaufend und malerisch verschneit erwies sich dieses Talstück ideal zum „Warmlaufen“.


Entlang des Brentersbachs führte der Weg unschwierig durch eine wunderschön verschneite Landschaft. Nach kurzer Zeit galt es sich für eine Aufstiegsvariante zum Tschachaun zu entscheiden. An den nordseitigen Ausläufen des Imster Mitterbergs (2118) zweigt rechter Hand der Weg durch das Brennhüttental ab und umläuft den Berg westseitig. Wir entschieden uns für die ostseitige Umrundung des Imster Mitterbergs durch das Faselfeiltal und somit für den, unserer Meinung nach, lawinensichereren Nordostaufstieg Richtung Tschachaun - Gipfel.  


Wir ließen die Abzweigung ins Brennhüttental rechtsseitig liegen und genossen das schöne Faselfeiltal. Nachdem der Toureinstieg durch das Brentersbachtal flach verlief, nahm nun der Anstieg Fahrt auf. Bei ungespurtem Schneevergnügen und steilem Anstieg kämpften wir uns nun langsam in die Höhe.


Nach Querung des Imster Mitterbergs wählten wir den direkten Weg über den Kromsattel als Gipfelaufstieg. Wir gingen nicht über das Faselfeiljöchl, sondern stiegen ostseitig auf dem klassischen „Skiroutenverlauf“ zum Kromsattel (2137) auf. Von hier ging es auf den 2334 m hohen Gipfel des Tschachaun. Über einen vorgelagerten „Rücken“ zog sich der Aufstieg noch gute 200 Höhenmeter über steile Hänge. Bei Sonnenschein und blauem Himmel war das Gipfelerlebnis ein Genuss. Trotz des starken Windes ein gutes Gefühl.

 

Nach dem Gipfelglück stiegen wir über den Kromsattel auf direktem Weg zur nahegelegenen Anhalter Hütte ab. Gegen 16:45 Uhr sind wir im Winterraum angekommen und hatten unser Tagesziel erreicht.


Die Anhalter Hütte ist eine Schutzhütte des DAV und liegt auf einer Höhe von 2038 m. Sie gehört der DAV Sektion Oberer Neckar und befindet sich am Fuße des Tschachaun , nordwestlich des Maldongrades. Durch die lange Heiterwand und die westlich anschließenden Berge Falscherkogel, Hochpleisspitze und Habart ist sie vom Hahntennental getrennt.


Nachdem wir den gesamten Tag die Natur in ruhiger Einsamkeit genießen durften, verließ uns auch dieses „Glück“ nicht hinsichtlich der Übernachtung. Direkt mit unserer Ankunft traten tschechische Skitourengeher ihre Talfahrt an, sodass wir die einzigen Übernachtungsgäste waren. Wir bezogen unser Lager, heizten den Ofen und genossen das spartanische Dasein.


Bei Pasta, Schneewasser-Tee (mit einem Schuss Rum) und molliger Wärme haben wir den Abend in vollen Zügen genossen. Das Bewusstsein der völligen Einsamkeit mitten in den Lechtaler Alpen machte diese Momente zur spürbaren Auszeit aus unserem, oft zu hektischen, Alltag – einfach Balsam für die Seele.

2. Tag: Anhalter Hütte – Teilstück Anhalter Höhenweg - Grubigjoch – Putzenjoch – Fallerscheinalpe - Namlos


Am zweiten Tag hatten wir uns ein Teilstück des Anhalter Höhenwegs vorgenommen. Nachdem wir „ausgeschlafen“ und uns gestärkt hatten, starteten wir unseren zweiten Teil. Von der Anhalter Hütte folgten wir den Wegen 616/617 und stiegen zunächst auf 1830 m Höhe ab, bevor wir den Anstieg zum Grubigjoch (2185) begannen.  


Das Wetter meinte es an diesem Tage wieder gut mit uns, bei blauem Himmel und Sonnenschein durften wir ein perfektes Bergpanorama genießen. Nach dem Grubigjoch (2185) führte uns der Anhalter Höhenweg genussvoll entlang des Kamms in Richtung Namloser Wetterspitze. Ein schöner Höhenweg bei idealen Rahmenbedingungen.


Wir querten südseitig die Hänge der Namloser Wetterspitze in Richtung Putzerjoch und waren permanent der vollen Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit war eine Besteigung des Gipfels nicht mehr drin, aber auch nie Teil der ursprünglich geplanten Tour gewesen. Während der Querung waren wir dem Gipfel scheinbar zum Greifen nahe, was in uns den Drang einer spontanen Besteigung auslöste. Nach einer kurzen Weg-Zeit-Berechnung mit einem ernüchterndem Ergebnis haben wir uns vernünftigerweise gegen den noch ca. 300 Höhenmeter entfernten Gipfel entschieden.


An den Südhängen der Wetterspitze sind bereits einige kleinere Lawinen abgegangen, deren Felder wir zum Teil querten. Gut informiert und immer vorausschauend waren wir uns auf der gesamten Tour über die aktuelle Lawinengefahr bewusst und immer vorsichtig unterwegs. Zudem waren wir u. a. mit Lawinensuchgeräten, Sonden und Schaufeln ausgerüstet.


Mit Beginn der Dämmerung begannen wir unseren Abstieg vom Putzenjoch. Unser nächstes kleines Etappenziel war Tirols größtes Almdorf, die auf 1300 m Höhe liegende Fallerscheinalpe.

 

Da unsere Getränkevorräte aufgebraucht waren, hofften wir auf eine Möglichkeit der Flüssigkeitszufuhr. Das Almdorf war jedoch zu dieser Zeit menschenleer, sodass wir keine große Zuversicht hatten. Das Glück war jedoch mit uns! An einer Hütte gab es eine Selbstbedienungsmöglichkeit. Nach Zahlung in die Kasse des Vertrauens haben wir unseren Flüssigkeitshaushalt ins Gleichgewicht gebracht und etliche eisige Getränke konsumiert. An dieser Stelle vielen Dank an die unbekannten „Wirte“, die den durstigen Wandersleuten dies ermöglichen.


Bereits mit dem Abstieg zur Fallerscheinalpe liefen wir in die Dunkelheit. Durch unsere Stirnlampen beleuchtet, liefen wir den Weg entlang des Sommerbergbachs bis zur Landstraße (Stanzach – Namlos). Wir schulterten unsere Schneeschuhe und schlenderten die noch verbleibenden ca. 2 km zurück nach Namlos. Gegen 20 Uhr kamen wir am Auto glücklich an und waren froh, dass wir die Wetterspitzenbesteigung ausgelassen haben. In der urigen Wirtschaft vis a vis unseres geparkten Autos kehrten wir ein und ließen den Tag ausklingen. Als einzige Gäste wurden wir mit Köstlichkeiten des Hauses versorgt. Auch hier vielen Dank an die Wirtsleute, welche sich extra für uns gegen 21 Uhr noch in die Küche begaben und uns einen leckeren Gulasch zubereiteten. Es waren zwei wundervolle Tag in den Lechtaler Alpen.

Weitere Informationen

  • Route Aufstieg: Namlos – Brentersbach – Faselfeiltal – Kromsattel – Tschachaun – Anhalter Hütte – Grubigjöchle – Anhalter Höhenweg – Putzerjoch – Fallerscheinalpe - Namlo
  • Route Abstieg: siehe Aufstieg, da Rundtour
  • Dauer für Aufstieg: 6,5 Stunden
  • Dauer für Abstieg: 6,5 Stunden
  • Ziel Höhe / Gipfel: 2334 m
  • Höhenmeter: 1800 m
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Empfohlende Wandermonate: ganzjährig geeignet (Im Winter als Schneeschuhtour möglich)
  • Klettersteig: nein
  • Sehenswürdigkeiten: Anhalter Höhenweg
  • Einkehrmöglichkeit: Gasthäuser in Namlos, Anhalter Hütte (geschlossen), Selbstbedienung Fallerscheinalpe, unterwegs keine
  • Schuhwerk: knöchelhohe Bergschuhe mit guter Profilsohle
  • Trittsicherheit: erforderlich
  • Schwindelfrei: erforderlich
  • Wanderkarte: KEINE
  • Weiterempfehlen: ja - ich würde die Tour wieder machen
  • Hinweis:

    Die Benutzung des Tourenberichtes erfolgt auf eigenes Risiko. Es wird keine Haftung für etwaige Unfälle und Schäden jeder Art übernommen.

Alexander B.

"Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen" (Goethe)

Viel Spaß mit unseren Berichten